Arabische Halbinsel

Inschallah

  • 30. März 2014

Aufforderung der Empfangsdame: „to confirm double room I need to see proof of marriage!” Lässig sucht Michael in seinen Papieren nach der entsprechenden Kopie und hält der Empfangsdame unsere Heiratsurkunde unter die Nase. Nach einem prüfenden Blick sagt diese: „thank you – here is your room key“. Wenige Minuten später stehen wir in unserem, zugegebenermassen nicht ganz international ausgerichteten, Hotelzimmer am Stadtrand von Doha.

Die Signale die Katar aus Doha in die Welt sendet, wirken zumindest auf uns etwas widersprüchlich. Die Amerikaner durften aus diesem Land ihren Irak-Krieg führen und die Taliban haben hier ihre erste Auslandsvertretung eröffnet. Katar – ein Kleinstaat, der auf dem internationalen Parkett mitreden will? Frech stösst das Land jedenfalls mit seinen teils unkonventionellen Positionen seinem schwergewichtigen Nachbaren Saudi-Arabien vor den Kopf, welcher in der Zwischenzeit seine Botschaft in Katar gleich ganz geschlossen hat, was nun auch alle übrigen GCC-Staaten getan haben. Katar beeindruckt dies nicht weiter – viel lieber gibt sich die absolute Monarchie international – die gigantische Skyline und Austragungsort der Fussballweltmeisterschaft 2022 sollen dies unterstreichen. Am Rand von Doha ist davon jedoch wenig zu spüren, wie wir gerade beim Einchecken im Hotel festgestellt haben. Grund genug für uns, um Land und Leute zu erkunden.

In den Strassen treffen wir vor allem auf alte Bekannte – Asiaten. Sie haben Freude an uns, wir haben Freude an ihnen 🙂 Sharukh und Masut aus Indien sprechen uns an. Sie verschönern gerade einen Kreisverkehr und entfernen Unkraut zwischen den gepflanzten Blumen. Ob das die vorbeibrausenden Autos bemerken werden? Ausser uns und den Arbeitern ist hier niemand zu Fuss unterwegs… Sharukh und Masut kann es egal sein, Hauptsache sie kriegen ihren Lohn. Wobei sie lieber wieder auf der Baustelle arbeiten würden, wie sie sagen. Da sei das Salär höher – aber die Arbeit auch gefährlicher. Doch Lohn und Sicherheit seien in Katar noch immer besser, als sie es von Zuhause her kennen. Trotzdem: Katar schwimme ja im Geld, die könnten ruhig etwas besser für sie schauen. Sie fragen uns, ob wir von den Baustellenskandalen gehört hätten? Klar haben wir, das stehe auch in unseren Zeitungen, erzählen wir ihnen, aber halt nur, weil es mit Fussball verknüpft werden kann. Von all den übrigen Ländern mit denselben Problemen stehe da selten etwas. Schlussendlich einigen wir uns darauf, dass Cricket die einzig wahre Sportart ist und Sachin Tendulkar der beste Spieler aller Zeiten war.

Im Zentrum von Doha finden wir einen Supermarkt voller Importprodukte. Es scheint, als würde die ganze Kundschaft aus Ehefrauen von westlichen Expats bestehen. Sie zeichnen sich primär dadurch aus, dass sie nicht sicher sind, ob das nun absolut „yupee“ oder doch eher „mähhh“ ist, dass sie ihren Ehemännern in die Wüste gefolgt sind. Ihre Aufgabe des Tages besteht darin zu entscheiden, ob sie das importierte Mineralwasser von Evian oder Pellegrino kaufen sollen, wo es doch Zuhause immer Henniez gab. Schwierig 😉

Nebst Arbeiter aus Südasien, westlichen Expats und Restaurant- und Kindermädchenpersonal aus Südostasien glänzt vor allem jemand mit Abwesenheit. In Katar arbeiten 1‘500‘000 Personen, 94 Prozent davon sind Ausländer. Wo sind die Locals?

Kontakt zu Arabern zu knüpfen scheint hier schwieriger. Bleiben sie gerne unter sich? Wir beschliessen für mehrere Tage ein Auto zu mieten und sind beeindruckt: Kater, das ist eine unwirkliche Gegend, es gibt kleine Fischerdörfer, verlassene Ortschaften und vor allem das grosse Nichts – die Wüste. Und genau da finden wir sie, die Araber. Wir Wetten mit ihnen bei Kamelrennen. Möge unser Kamel gewinnen – Inschallah*! Es hat leider nicht sollen sein, dann halt beim nächsten Mal – Inschallah! Dafür lernen wir die Liebe der Araber zur Falkenzucht kennen und düsen mit ihnen stundenlang in ihren Sandbuggys (je schneller je besser) bei arabischer Musik (je lauter je besser) durch die Sanddünen (je höher je besser). Plötzlich sind wir mitten drin. Hier bei ein paar Freunden vorbeischauen, da gemeinsam ein Wüstenbarbeque geniessen und dort bei Shisha, Datteln und arabischem Kaffee den Reiseerzählungen der beiden Ausländer horchen. Unsere lange Reise und die damit ständig verbunden Herausforderungen können sie nicht ganz verstehen – crazy Westerns! Aber uns geht es mit Katar ja ähnlich – crazy Arabs!


* Inschallah (arabisch ‏إن شاء الله‎ in schā’a llāh) ist eine häufig benutzte Redewendung in der arabischen Sprache mit der Kernbedeutung „hoffentlich“, „so Allah will“. Am besten man verwendet sie in jedem Satz mindestens einmal, Inschallah.

5 Comments on Inschallah

  • Kurt says:
    31. März 2014 at 07:11

    Wow Doha scheint, mir eine faszinierende Stadt zu sein und Arabien im Allgemeinen sowieso.
    Gruss Kurt

    Antworten

  • Patrick says:
    31. März 2014 at 12:14

    Habe ich da was verpasst!?!?!
    Heiratsurkunde?!
    Grüessli Onkel Patrick

    Antworten

  • Lena says:
    1. April 2014 at 16:07

    Heiratsurkunde habt ihr die aus las vegas ;)))

    Antworten

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